20. Jahrhundert Nr. 084-1324

Josef Steiner (1899-1977), Die Weiße Dame, um 1960/70

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Expressionistische Darstellung eines stehenden Frauenaktes mit Hut auf tiefrotem flächigem Grund. Ein starker Pinselduktus gibt das inkarnat in Weiß wieder. Die Platzierung einer grünen Horizontlinie verortet die „weiße Dame“ dennoch im Raum. Unten rechts monogrammiert ‚J. St.‘. Dies ist die Wiederholung eines verschollenen größeren Ölgemäldes von ca. 1935, welches durch das NS-Regime beschlagnahmt wurde und so durch den Künstler eine erneute Aufarbeitung und Erinnerung erfuhr. Die erste „Weiße Dame“ wurde auf einer der „entarteten“ Ausstellungen gezeigt und verspottet. Öl/Mischtechnik auf Malkarton. Im Atelierrahmen. Bildmaß: 67 x 47 cm. Josef Steiner (1899 München – 1977 ebd.) durchlebte als Künstler ein Deutschland in all seinen Facetten. Als junger begabter Schüler der Münchner Gewerbeschule wurde er als 19-jähriger Soldat in den Ersten Weltkrieg eingezogen. Ab 1920 lebte er mit seiner Frau Gertrud Schaefer (1882-1969) in Berlin und erlebte dort die Goldenen Zwanziger. Die Hauptstadt und der führende Expressionismus prägten ihn fortan und der künstlerische Erfolg blieb nicht aus. Der Name Josef Steiner fiel gleichzeitig mit Namen wie Max Beckmann, Otto Dix, Max Pechstein und vielen anderen bekannten Größen in Berliner Ausstellungen und Rezensionen. Insbesondere aufgrund seiner expressionistischen Akt-Graphiken wurde er nach der Machtergreifung Hitlers als „entarteter Künstler“ gebrandmarkt. Er begann schon früh seine Arbeiten fotografisch zu dokumentieren, da das harte Durchgreifen des Nationalsozialistischen Regimes sich bewahrheiten sollte und viele seiner großformatigen Arbeiten heute verschollen sind. Als Kritiker des Regimes wurde er verfolgt und durchlitt zwischen 1936 und 1939 eine schwierige Phase mit grausamer politischer Inhaftierung für acht Monate im Jahre 1937. Der verarmte und gesundheitlich stark in Mitleidenschaft gezogene Steiner erhielt 1939 endgültiges Berufsverbot und zog daraufhin nach München zurück. Nach baldigem Einzug als Soldat in den Zweiten Weltkrieg und anschließender Verwundung wurde er 1944 aus der Wehrmacht entlassen. Um sich aus einer aussichtslosen Situation zu helfen, schuf er das berühmt-berüchtigte „Kinderköpfchen“, welches er als ein Portrait der Holde Goebbels an den Reichspropagandaminister Goebbels sandte. Tatsächlich zog dies wohlwollende Effekte nach sich, ohne dass er sich dem Regime durch NS-Motive und „Blut und Bodenmalerei“ anbiedern musste. Er konnte somit 1943 die Arbeit als Künstler wieder aufnehmen und widmete sich als Graphiker Naturdarstellungen. Im Privaten allerdings lebte er sich weiterhin in Aktgraphiken aus. Ab den 1960er Jahren und nach gut 20 –jähriger Verarmung ging es auch für Steiner wieder aufwärts und langsam kehrte der Erfolg zurück. Hauptsächlich dem Expressionismus verschrieben, schuf er ein umfassendes Werk auch noch nach dem Krieg und wurde durch Ausstellungen insbesondere im „Haus der Kunst“, München geehrt. Lit: Rainer Haaff: Josef Steiner - Leben und Graphisches Werk. Leopoldshafen 2019, S.160, Abb. 421.

  • Herkunft:Deutschland
  • Datiert:um 1960/ 70
  • Material:Öl auf Malkarton
  • Masse:
    HxBxT: 75,50 x 55 x 2 cm;
    (HxWxD: 29.7 x 21.7 x 0.8 inch)
  • Markierung:1
  • Preis: Wir unterbreiten Ihnen gerne ein
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