Glas, Porzellan & Silber Nr. 073-0114

Klassizistische Amphorenvase, wohl Berlin um 1800

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Die Glasvase wird eingefasst von einem Dreifuß, dessen Beine in Blattranken auslaufen und dessen Henkel als Schwanenhälse gestaltet sind. Der untere Teil wird durch drei Querverbindungen zusammengehalten, die unterhalb eines Blattfrieses, in dem der Vasenkörper ruht, mit einem Pinienzapfen abschließen. Die überaus feine Ziselierung der feuervergoldeten Bronze lässt als Entstehungsort an Berlin oder Dresden denken. In Berlin war es vor allem die überaus erfolgreiche Firma von Christian Gottlob Werner (1747-1831) und Gottfried Mieth (1765-1834), die in der Lage war, so feine Bronzearbeiten zu fertigen, aber auch jene von Johann Christoph Ermisch (erwähnt 1794-1803) käme in Betracht, oder die des Bronzier Schroeder (erwähnt 1773) – und in Dresden die Churfürstliche Spiegelmanufaktur. Aufgrund der harmonischen Ausgewogenheit der Vase wird davon auszugehen sein, dass der Entwurf selbst einem Architekten zuzuschreiben sein dürfte. In Frage kämen hier der Berliner Architekt Friedrich Gilly (1772-1800), der Dresdner Architekt Christian Friedrich Schuricht (1753-1832), aber auch an den besonders in Wörlitz tätigen Architekten Freiherr Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff (1736-1800) oder den wiederum in Berlin ansässigen Carl Gotthard Langhans (1732-1808) wäre dabei zu denken. Die antike Symbolik des Schwanes, der eng mit Apollon verbunden war – in diesem Zusammenhang sicherlich in seiner Funktion als Gott der Künste zu verstehen – gründete sich in der Antike auf vier Besonderheiten: den langen, gewundenen Hals, die weiße Farbe des Gefieders, sein Gesang und seine Weisheit. Aber auch seine kämpferische Natur lässt den Schwan Feinden wie Adler oder Schlange gegenüber tw. überlegen sein. Damit lässt sich als Aufstellungsort der Vase an ein Musikzimmer, aber auch an eine Bibliothek denken. Trotz der beiden Sprünge im oberen Teil der Vase handelt es sich hier um ein äußerst gut erhaltenes Beispiel einer kleinen, seltenen Gruppe von oft beschädigten Objekten.

Literatur:
B. Klappenbach, Kronleuchter, Berlin 2001, S.103-104
B. Kropmanns, Die Bronzefabrikanten Werner und Mieth bzw. Werner und Neffen. Kronleuchter und Bronzen im Zeitalter Schinkels (Dissertationsvorhaben FU Berlin)
F.C. Möller, 25 Jahre – 25 Entdeckungen, Hamburg 2009, Kat. Nr. 15
F.C. Möller, 18 Objekte um 1800, Hamburg 2014, S. 28-33, 50-57, 62-69, 84-89
W. Richter, s.v. Schwan, in: Der Kleine Pauly Bd. 5, München 1979, Sp.42-43

  • Herkunft:wohl Berlin
  • Datiert:1800
  • Material:Milchglas
  • Masse:
    HxØ: 36 x 14 cm;
    (HxØ: 14.2 x 5.5 inch)
  • Markierung:1, A
  • Preis: € 17.000,-